Leif Randt – Planet Magnon

Das neue Buch von Leif Randt heißt Planet Magnon und ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.

Dieses Buch möchte ich Euch heute ans Herz legen. Es ist eine außergewöhnliche Sicht auf unsere Welt, die in diesem märchenhaften Roman freilich ausgelagert wird. Wir befinden uns in einem „fremden“ Sonnensystem. Eine ausführliche Buchbesprechung gibt es hier: taz

Auszug:

Am Ende der Fußgängerzone leuchtet eine neue LED-Werbewand, die wohl größte im Westen von Blossom City. Ich gehe direkt auf sie zu. Die Anzeigen wechseln oft, jede siebte Sekunde, zuerst geht es um preiswerte Shuttletransfers, dann um Parfum für junge Männer, dann um synthetisches Anaseptusfleisch. Die Shifts in ihren adretten Mänteln könnten durchaus interessiert sein an diesen Produkten. Ein Kind an der Hand einer älteren Frau, ich bin nicht sicher, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, deutet plötzlich aufgeregt in Richtung Werbewand. Eine neue Anzeige ist erschienen. Ich bleibe stehen. Es gibt auf dem gestochen scharfen Bildschirm jetzt überhaupt keine Schrift mehr zu lesen, keine Slogans, keine Infos. Es gibt nur noch die brutale Gegenwart von Emmas und von meinem Gesicht, viele Meter hoch vor kupferfarbenem Felsmassiv und kernblauem Himmel. Darunter die langen Schnauzen der Raptoren, ihr kaltes Lächeln. Ich blicke zu Boden. Aber dann blicke ich gleich wieder hoch. Und als das Bild endlich verschwindet, sinke ich in die Knie und schlage die Hände vors Gesicht.

 Foto des Buches von kiwi-verlag.de

Fortsetzung Wer bin ich

Buddha hat folgendes gelehrt:

Erkenne alle Dinge als so beschaffen:

Wie eine Luftspiegelung, ein Luftschloss, einen Traum, eine Erscheinung, ohne Essenz, aber mit Eigenschaften, die wahrgenommen werden können.

Erkenne alle Dinge als so beschaffen:

Wie den Mond am klaren Himmel, der in einem reinen See sich spiegelt, obwohl er nie zum See sich hinbewegt.

Erkenne alle Dinge als so beschaffen:

Wie ein Echo von Musik, Klängen und Stimmen, im Echo selbst liegt jedoch keine Melodie.

Erkenne alle Dinge als so beschaffen:

Wie eines Magiers Illusion von Pferden, Ochsen, Karren und anderem – Nichts ist so, wie es scheint.

Wer bin ich?

Wer bin ich? Diese Frage hat sich wohl schon jeder mal gestellt. Die Frage kann ich vielleicht am Besten damit beantworten, indem ich zunächst einmal feststelle, wer ich alles nicht bin:

Ich bin all das nicht, was meine Sinne wahrnehmen können. Die Sinne sind trügerisch, denn was ich heute so wahrnehme, kann ich schon kurze Zeit später als etwas völlig anderes erkennen. Beispiel: Ich sehe heute einen Menschen als humorlos an, während ich schon morgen erkennen muss, dass er sehr wohl Humor besitzt, dieser nur versteckt, subtil und tiefgründig ist.

Nachdem also fürs Erste geklärt wäre, dass wir nicht immer erkennen, was das wahre Wesen der Dinge ist, kann ich also festhalten:

Sowenig wie ein Schatten in der Nacht ein Löwe ist, der sich bei Tag als ein wie ein entsprechendes Tier geformtes Stück Holz entpuppt, sowenig bin ich der, der ich zu sein scheine. Das was ich von mir wahrnehme, die menschliche Gestalt, ist ein Schatten oder eine Maske dessen, was ich eigentlich bin. Das was oder wer ich bin, kann ich also mit den Sinnen nicht wahrnehmen. Denn was ich sehen, hören, riechen, fühlen kann, hat keine Endgültigkeit. Heute fühle ich mich in ein und derselben Situation sehr unwohl und morgen schon wieder ganz anders, weil ich vielleicht eine andere Bewertung der Lage zugrunde lege und somit gelernt habe, mit dieser Situation besser umzugehen.

Ist es nicht so, dass wir in Menschen oder in Tieren und auch in Dingen das sehen, was wir sehen wollen? Der Eine findet an etwas großen Gefallen, was der Andere entschieden ablehnt. Dennoch haben beide Personen das gleiche Recht zu behaupten, ihre Meinung zu diesem Etwas sei die für sie richtige.

Da ich also mit meinen Sinnen nicht beweisen kann wer ich bin, kann ich mit eben diesen Sinnen auch nicht sagen, nicht ausdrücken wer ich bin. Die Antwort auf die Frage was oder wer ich bin, liegt also im Über– Sinnlichen.

… to be continued…