Philipp Zieger

Achtsamkeit lernen und im Alltag praktizieren

Foto: Philipp Zieger

Hier werde ich zum Thema Achtsamkeit bloggen. Derzeit bin ich Absolvent der DFME in Oldenburg. Diese Seite wird allgemeine Beiträge enthalten und auch immer wieder Übungen und Meditationen.

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Ich beginne mit einem Kurzvortrag zum Thema, den ich im Rahmen meiner Ausbildung gemacht habe:

„Mit Achtsamkeit das Leben gestalten“

Wir gehen im Park und haben keinen Blick für die Dinge um uns herum, weil uns Gedanken und Projekte in der Arbeit beschäftigen. Statt im gegenwärtigen Augenblick, im Hier und Jetzt, zu sein, befinden wir uns eigentlich gar nicht im Park sondern schon längst wieder in der Arbeit oder in Gedanken zu Hause bei den Kindern, die ja nachher von der Schule nach Hause kommen werden und was zu essen brauchen.

Unser Körper befindet sich im Stresszustand, weil wir nicht abschalten können, weil unser Geist im Gegensatz zum Körper einfach nicht in der Gegenwart bleiben will. Die Emotionen und der Geist sind aufgewühlt, wir sind eigentlich gar nicht im ruhigen Park, sondern in Wahrheit befindet sich unser Geist Kilometer entfernt im Büro oder irgendeinem anderen Ort.

So oder ähnlich erleben wir uns, wenn wir den „Autopiloten“ eingeschaltet haben. Unser Körper bewegt sich wie ferngesteuert durch die Landschaft, wir leben nicht in diesem Augenblick, sondern in der Vergangenheit oder in der Zukunft.

Nach getaner Arbeit „entspannen“ wir uns vom Stress des Tages bei einem Feierabendbier oder einem Glas Rotwein vor dem Fernseher. Damit glauben wir, dem nächsten Tag wieder gewachsen zu sein. Früher oder später jedoch wird uns der Körper oder die Psyche durch Krankheiten mitteilen, dass etwas falsch läuft im Leben.

Millionen von uns hier im Westen sind gerade an diesem Punkt angekommen und immer mehr wenden sich der Stressbewältigung durch Achtsamkeit zu – was ist das überhaupt?

Achtsamkeit ist eine Methode zur Persönlichkeitsentwicklung und Grundlage eines neuen Lebensstils.

Die Wurzeln der Achtsamkeitslehre liegen über zweieinhalbtausendjahre zurück im indischen Buddhismus. Dennoch ist es eine Lehre, die keinerlei Religion bedarf. Es handelt sich um eine ideologieunabhängige psychologische Technik zur Schulung des Geistes.

Im Wesentlichen geht es darum, die Dinge so zu betrachten, wie sie im gegenwärtigen Augenblick sind. Das könnte man als Aufmerksamkeit bezeichnen. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass Achtsamkeit durch die innere Haltung des Beobachters erzeugt wird. Achtsamkeit praktizieren bedeutet, das Geschehen auf eine völlig wertungsfreie, offene und freundliche Weise wahrzunehmen. Keine Urteile, keine Bewertungen, egal ob etwas angenehmes oder unangenehmes wahrgenommen wird.

Es geht also darum, sich dessen bewusst zu sein, was in mir und um mich herum geschieht. Dazu bedarf es eines beobachtenden Bewusstseins. So habe ich Gedanken, bin aber nicht diese Gedanken. Da ist eine Körperempfindung, ich bin diese aber nicht. Wenn ich die Gedanken oder den Schmerz beobachte, ohne mich damit zu identifizieren, habe ich Achtsamkeit praktiziert. Dadurch wird es mir möglich, die Dinge in einem neuen Licht zu sehen, aus einer veränderten Perspektive, vom Subjekt hin zum Objekt. Das ist der besondere Wert der Achtsamkeit.

Das bedeutet nicht, dass ich mich von der Erfahrung distanziere oder gar trenne, es bedeutet lediglich tiefer und ganzheitlicher zu sehen, zu fühlen und zu verstehen.

Dazu müssen wir beachten, dass der sogenannte Beobachter und das was er beobachtet auch nur ein labiles Konstrukt des Geistes ist und ständiger Veränderung unterliegt.

Um die Achtsamkeitspraxis durchführen zu können, müssen wir uns der sieben inneren Grundhaltungen bewusst sein. Sie sind:

Anfängergeist; – Kein „kenn ich schon“, sondern etwas betrachten, als ob ich es zum ersten mal sehen würde. Wie ein Baby oder ein Welpe.

Nicht werten; – Kein kategorisieren oder Schubladendenken sondern die Haltung eines Unparteiischen einnehmen. Der Lohn wird sein, dass wir uns zunehmend nicht mehr mit den Geschehnissen identifizieren müssen.

Anerkennen; – Kein Auflehnen mehr, das kostet nur unnötige Energie. Es geht nicht darum alles „gut finden“ zu müssen. Es geht darum, die Dinge so zu erkennen, wie sie sind, jenseits davon sich in sie zu verlieren.

Nicht streben; – „Ziellos zum Ziel gelangen“. Nichts erzwingen wollen, nirgendwohin gelangen wollen. Der gegenwärtige Augenblick ist genug.

Nicht anhaften; – Unser Geist möchte sich ständig an etwas anklammern, anhaften. Es geht hierbei um das Loslassen von festgefahrenen Ansichten, Denkmustern und Verhaltensweisen.

Geduld; – Alles im Leben hat seine Zeit, alles wird sich entfalten, wenn der richtige Moment dafür da ist. Für uns bedeutet das, gelassen zu sein und nicht auf alles zu reagieren, was uns gerade über den Weg läuft. Besinnung, innere Ruhe und Ausgeglichenheit wird kultiviert.

Vertrauen; – Es geht darum, vertrauen zu sich selbst zu entwickeln, um nicht blind von Meinungen oder Vorgaben anderer abhängig zu sein.

Durch die Praxis der Achtsamkeit wird der Geist beruhigt, die Gedanken, Emotionen und Körpergefühle werden so, wie sie gerade sind, wahrgenommen. Wir erlauben sie uns, ohne sie verändern zu wollen.

Der Autopilot wird ausgeschaltet, wir sind uns zu jederzeit bewusst, was um uns herum geschieht.

Mit zunehmender Praxis wird es uns möglich sein, unser Gewahrsein zu öffnen, so weit wie der Himmel. In diesem weiten Raum entstehen und vergehen alle Wahrnehmungen. Ich lasse sie zu und erkenne sie an, als das, was sie sind. Und dann lasse ich sie weiterziehen.

Ganz so, wie wenn ich im Sommer auf einer Wiese liege und unter dem blauen Himmel Vögel in mein Sichtfeld hinein und wieder hinausziehen. Sie fliegen hindurch und sind dann wieder verschwunden, ohne dass ich ihnen „nachfliege“. Ich bin ja nicht diese Vögel, ich gehöre nicht zu ihnen. Genausowenig wie die Gedanken und die Emotionen.

Zusammenfassung: Die Achtsamkeitspraxis ist ein entscheidender Bestandteil der Stressbewältigung. Wir lernen, was Stress ist, wie er entsteht und wie wir den Stress bewältigen können. Wir werden uns schneller von stressenden Ereignissen erhohlen. Indem wir konditionierte Verhaltensweisen unterbrechen und gegen effektivere tauschen, können wir selbstbestimmte Stressantworten geben. Wir entwickeln Selbstmitgefühl und Selbstachtung statt destruktiven Sebstbildern zu erliegen. Die Stresskompetenz wird nachhaltig gestärkt, der Mensch wird toleranter, freundlicher und mitfühlender sich selbst und anderen gegenüber. Güte und achtsame Kommunikation als qualitative Grundlage für weises Handeln im Alltag.

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