Und Nietzsche weinte von Irvin D. Yalom

Statt meinen eigenen Worten lasse ich heute mal das Buch selbst sprechen. Ich glaube, dass diese Ausschnitte aus dem Roman mehr sagen als tausend Worte darüber. Also, los geht`s:

Auf Seite 274 lässt Yalom seinen Nietzsche zu seinem Therapeuten und Patienten Dr. Breuer sagen: „Ziele? Ziele entspringen der Kultur, der Atmosphäre, mit der Luft atmet man sie ein. Alle wollten wir … unseren Weg in der Welt machen, es zu Erfolg, Reichtum, Ansehen bringen. Und doch nützen Sie Ihnen nichts, Josef. Sie waren nicht Grundfeste genug, um ein Leben zu tragen. Für manche wohl, für die Kurzsichtigen, für die Fußlahmen, welche ihr ganzes Leben hinter Besitzgütern herhumpeln … Malnehmen mit Null gibt doch wieder Null!“

Seite 306: „Ihre Anfechtungen entbehren jeder Realität! … diese Dinge existieren nicht! Diesen erbärmlichen, menschlichen Phantasmen eignet nichts Übernatürliches. Alles Sehen, alle Erkenntnis sind relativ. Wir erfinden das, was wir erleben, und was wir erfinden, können wir auch zerstören.“

Seite 345: „… lässt schließlich keinen Zweifel daran, dass der Großteil unserer Gedächtnis- und Denkvorgänge sich außerhalb des Bewusstseins vollziehen. Ich teile diese Anschauung, nur geht es mir nicht weit genug. Nach meinem Dafürhalten lässt sich kaum überschätzen, in welchem Maße das Leben – das wirkliche Leben – vom Unbewussten bestimmt wird.“

Seite 347: „Was hätte gestern deutlicher zutage treten können, als dass Ihre Beziehung zu Bertha unwirklich ist, eine Illusion, gewoben aus Bildern und Sehnsüchten, welche mit der leibhaftigen Bertha nicht das mindeste zu tun haben?“

Seiten 358/359: „Ich lehre nicht, Josef, dass man den Tod ‚ertragen‘ oder ihm ‚begegnen‘ solle. Das führte geradewegs in den Lebensbetrug! Meine Lehre lautet: Stirb zur rechten Zeit!“

„Wer zur rechten Zeit lebt, wer vollbringend lebt, für den verliert der Tod seinen Schrecken. Wer nie zur rechten Zeit lebt, wird nie zur rechten Zeit sterben können.“

Haben Sie Ihr Leben gelebt? Oder wurden Sie von ihm gelebt? Haben Sie gewollt? Oder wurden Sie gewollt? Das Leben geliebt? Oder gereut? … Ist Ihr Leben aufgebraucht? Stehen Sie nicht auch hilflos da und betrauern das Leben, das Sie nie gelebt haben?“

Dieses Buch von Irvin D. Yalom stellt viele Fragen und gibt viele Antworten. Es bringt uns ganz nebenbei einen tiefen Einblick in das Leben im damaligen Wien. Josef Breuer, Siegmund Freud – der damals ein junger Schüler von Breuer war – und in die Philosophie des Friedrich Nietzsche.

Dieses Buch zu lesen ist ein Genuss!

Die Seitenzahlen beziehen sich auf die Taschenbuchausgabe mit der ISBN: 978-3-442-73728-4

Beitragsbild: amazon.de

Irvin D. Yalom – Das Spinoza-Problem

Dieses Buch habe ich regelrecht verschlungen.

Der Autor, ein Psychoanalytiker, schafft es in diesem ungeheuer informativen und kurzweiligen Roman, den jüdischen Philosophen Spinoza und den Nationalsozialisten Alfred Rosenberg lebendig werden zu lassen. Die Weltanschauungen der beiden Hauptakteure des Romans könnten unterschiedlicher nicht sein. Dass gerade der große Deutsche Goethe in Spinoza einen der größten Denker sieht, gibt Rosenberg Rätsel auf, denen er auf die Spur kommen will…

Unbedingte Leseempfehlung – eines der besten Bücher, um etwas über sich selbst zu erfahren!

Beitragsbild: thalia.de

Meine Generation

Gedanken am Morgen des 13. Mai 2015

Leider auch meine Generation und die vorher haben die Erde zu einem sterbenden Planeten gemacht. Allmählich verschwindet das Leben von der Erde. Die Zeichen sind schon lange sichtbar – aber „nach uns die Sintflut“.

Wir, die reichen Völker dieser Welt, haben vor lauter Gier und Maßlosigkeit auf Kosten anderer Menschen und unserer Kinder die Erde aufgeheizt und vermüllt. Nun kommen die Menschen der armen Völker zu uns geflüchtet und wir begrüßen sie schamlos und feindselig mit Ablehnung und schicken sie wieder zurück in eine Welt, die wir ausgeraubt und unbewohnbar gemacht haben. Wir machen uns sogar lustig über die, die auf die Folgen unseres Tuns aufmerksam machen und behaupten mit höhnischem Grinsen, dass es doch toll wäre, wenn es wärmer wird auf der Erde. Dann werden wir noch reicher und kaufen uns alle halt Klimaanlagen und gehen in klimatisierte Supermärkte… Das sagen wir schamlos, während am Horn von Afrika geschätzte 13000000 (13 Millionen) Menschen auf ihrer ausgedörrten Erde gegen den Hungertod kämpfen.

Es ist der Kapitalismus, der die Welt vernichtet! Es sind Werte und Ziele wie Leistung, Geld, Macht, Status und Image. Je mehr uns dieses wahre Gift verwirrt, desto feindlicher gehen wir mit der Umwelt um und desto mehr verschwenden wir die natürlichen Ressourcen. (Buchtipp: Die Entscheidung von Naomi Klein)

Bitte, liebe Kinder, macht es anders wie wir. Besinnt Euch auf den wahren Grund unseres Daseins und kehrt dem mörderischen Kapitalismus den Rücken. Fangt an, indem ihr den Banken und der Industrie, die unsere Welt sterben lassen, Euer Geld entzieht. Gebt es lieber den Banken, die das Geld in erneuerbare Werte anlegen und bezieht Euren Strom nicht von den üblichen Verdächtigen – es gibt bereits genügend Alternativen. Wacht auf und schlaft nicht so wie meine Generation!

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Grafik: kraftfuttermischwerk.de