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Mitarbeiter-Entsorgung aus „wirtschaftlichen“ Gründen

Neulich auf dem taz – Kongress in Berlin:

Ein Teilnehmer aus dem Publikum meldet sich zum Thema Älterwerden im Beruf zu Wort:

Er muss seit einiger Zeit beobachten, dass ältere und missliebige KollegInnen aus dem Betrieb geekelt werden. Sie sind einfach zu teuer geworden. Sie fallen den wirtschaftlichen, neoliberalen Machenschaften zum Opfer. Sie sind angeblich zu teuer. Die Qualität der Arbeit spielt dabei nur noch eine untergeordnete Rolle, denn die Leute werden einfach durch junge, billige Arbeitskräfte, ersetzt. Diese sind dann auch noch meist mit einem befristeten Arbeitsvertrag ausgestattet. Wenn dieser neue Mitarbeiter auch nicht annähernd an die Qualität des Ausgestoßenen herankommt – egal, Hauptsache „wirtschaftlich.“

Und das Schicksal des hinausgeworfenen Menschen? Der ist nur ein „Vorgang.“ Wen kümmerts? Hauptsache wirtschaftlich.

Die Arbeitnehmer werden entsorgt wie ein paar alte Schuhe. Wenn dieser sich wehrt, wird gelogen, dass sich die Balken biegen um ihn loszuwerden. Hauptsache wirtschaftlich.

Leute – legt euch eine gute Rechtsschutzversicherung zu! Ihr werdet sie brauchen. Dann könnt ihr den „wirtschaftlichen“ Machenschaften eurer Bosse einen Strich durch die Wirtschaft machen, indem ihr ihnen eine unwirtschaftliche saftige Abfindung abnötigt.

Wahrscheinlich nicht, aber man soll ja nie aufgeben: Wenn die merken sollten, dass ihre neoliberale Scheinwelt eben keine reale, menschliche Welt ist, werden sie vielleicht ihre Mitarbeiter mit anderen Augen sehen und endlich mal anfangen, diese zu wertschätzen.

Titelkarikatur: nadir.org

Veröffentlicht von

kantmann

Weltbürger, weil alle Menschen gleich sind.