Burn Out in Unternehmen

Burn Out in Unternehmen. Wie gehen die Chefs in den Unternehmen mit Mitarbeitern um, die sich so sehr in die Arbeit einbringen, dass sie ausbrennen?

Das beste Beispiel bietet mein letzter Arbeitgeber. Hier gab es in jüngster Vergangenheit einen Fall von Burn Out in der Belegschaft. Leider hat man den großen Einsatz des Mitarbeiters nicht gewürdigt, stattdessen hat man ihn billig loswerden wollen.

In der Ausgabe Nr. 1 / 2016 der Fachzeitschrift PSYCHOLOGIE HEUTE steht dazu:

Birgit Schönberger zitiert in ihrer Reportage den Facharzt für Psychosomatik, Gunther Schmidt, der ausdrücklich betont, dass Burn Out ein Zeichen von besonders hoher Kompetenz sei. Diese Mitarbeiter haben besonders viel für das Unternehmen geleistet, sie glühten dafür.

Statt dieses Engagement zu würdigen und sich um diesen verdienten Mitarbeiter zu kümmern, passiert dieses: Der Mitarbeiter wird als aufmüpfig oder unmotiviert und schwach abgestempelt. Dabei sind Burnoutsignale wichtige Informationen für eine Organisation.

So wie bei meinem letzten Arbeitgeber sorgen mangelnde Transparenz, Entscheidungen, die als unfair empfunden werden, unklare Arbeitsaufträge, fehlende Anerkennung, kaum Gestaltungsspielraum, zu wenig Ressourcen, um den Anforderungen gerecht zu werden, ständige Umstrukturierungen und vor allem schlechte Führungskräfte zu einer völligen Fehleinschätzung der Situation. Es mangelt in so einer Institution an Kommunikation, gerechter Arbeitsverteilung und am Arbeitsklima! Das sind Risikofaktoren für Burn Out in solchen Organisationen.

Wenn solche mittelmäßigen Chefs dann auch noch vom Mitarbeiter selbst ein besseres Stressmanagement fordern ohne etwas an den krankmachenden Systemen innerhalb der Institution zu ändern, dann hat dieser Arbeitnehmer keine Chance. Dann bleibt nur noch der Abschied aus dieser von unfähigen Leuten geleiteten Organisation, wenn er sich nicht völlig erledigen will.

Schmidt: „Die Mitarbeiter sollen funktionieren und schnell und effizient die Ziele erreichen.“

 

Unternehmensleitung

Statt vieler Worte darüber, wie viele Typen in sogenannten Führungspositionen mit ihren Mitarbeitern umgehen, hier eine Aussage von Martin Kessel:

„Oben wird immer geleitet, aber unten wird meistens gelitten.“

 

Karikatur – Quelle: svenner.de

Mitarbeiter-Entsorgung aus „wirtschaftlichen“ Gründen

Neulich auf dem taz – Kongress in Berlin:

Ein Teilnehmer aus dem Publikum meldet sich zum Thema Älterwerden im Beruf zu Wort:

Er muss seit einiger Zeit beobachten, dass ältere und missliebige KollegInnen aus dem Betrieb geekelt werden. Sie sind einfach zu teuer geworden. Sie fallen den wirtschaftlichen, neoliberalen Machenschaften zum Opfer. Sie sind angeblich zu teuer. Die Qualität der Arbeit spielt dabei nur noch eine untergeordnete Rolle, denn die Leute werden einfach durch junge, billige Arbeitskräfte, ersetzt. Diese sind dann auch noch meist mit einem befristeten Arbeitsvertrag ausgestattet. Wenn dieser neue Mitarbeiter auch nicht annähernd an die Qualität des Ausgestoßenen herankommt – egal, Hauptsache „wirtschaftlich.“

Und das Schicksal des hinausgeworfenen Menschen? Der ist nur ein „Vorgang.“ Wen kümmerts? Hauptsache wirtschaftlich.

Die Arbeitnehmer werden entsorgt wie ein paar alte Schuhe. Wenn dieser sich wehrt, wird gelogen, dass sich die Balken biegen um ihn loszuwerden. Hauptsache wirtschaftlich.

Leute – legt euch eine gute Rechtsschutzversicherung zu! Ihr werdet sie brauchen. Dann könnt ihr den „wirtschaftlichen“ Machenschaften eurer Bosse einen Strich durch die Wirtschaft machen, indem ihr ihnen eine unwirtschaftliche saftige Abfindung abnötigt.

Wahrscheinlich nicht, aber man soll ja nie aufgeben: Wenn die merken sollten, dass ihre neoliberale Scheinwelt eben keine reale, menschliche Welt ist, werden sie vielleicht ihre Mitarbeiter mit anderen Augen sehen und endlich mal anfangen, diese zu wertschätzen.

Titelkarikatur: nadir.org