Die Zeit

Der nachfolgende Text entstand nach einem luziden Traum. Ich verfasste den Text unmittelbar nach dem Aufstehen.

Drei Erklärungen zum Thema Zeit

  1. Erklärung: Die Zeit hat ein bestimmtes Volumen. Es gibt eine bestimmte „Menge“ an Zeit. D.h., dass alles, was wir tun und was uns widerfährt, von Beginn bis zum Ende feststeht. Wir können uns das so vorstellen, dass es unser Schicksal ist. Wir können nichts ändern, alles ist Bestimmung.
  2. Erklärung: Stellen wir uns einen „Zeitpfeil“ vor. Er beginnt in der Vergangenheit und zeigt in Richtung Zukunft. Die Zeit beginnt an einem Punkt und „rast“ in die Richtung Zukunft „nach vorne“. Die Zeit „vergeht“. Wir erinnern uns an die Vergangenheit, weil sie „existiert“ hat und „reiten“ auf dem Zeitpfeil in Richtung Zukunft. Die Gegenwart ist so flüchtig, dass sie so gut wie keine Bedeutung hat. Wir rasen einfach immer weiter und machen uns Gedanken über die Vergangenheit und über die Zukunft. Wir schenken der kaum existenten Gegenwart keinerlei Bedeutung. Nur die Vergangenheit und die Zukunft haben Bedeutung.
  3. Erklärung: Sie beginnt mit einer Frage. Was ist das überhaupt, die „Zeit“. Warum glauben wir so fest an das Konstrukt Zeit? Weil wir entweder Erklärung 1 oder 2 anhängen. Diese Erklärungen hat aber unser Verstand erzeugt, unser Hirn. Unser Gehirn liebt solche Dinge, solche Gedanken – Spielereien. Es ist das Lieblingsspiel unseres Gehirns, unseres Verstandes. Dabei gibt es weder den Verstand noch die Zeit. Die Zeit ist nur ein Produkt unseres Verstandes, ein „Hirngespinst“. Die Zeit gibt es genausowenig wie unseren Verstand. Wir brauchen diese beiden Werkzeuge, um uns in dieser Welt auszudrücken, um uns selbst zu erkennen. Existent ist aber nur dieser Augenblick, die Gegenwart, dieses Jetzt – jetzt, jetzt, jetzt… Um unser Selbst, unser Leben wahrzunehmen brauchen wir die Gegenwart, keine Vergangenheit und keine Zukunft. Nur diesen Augenblick. Darum ist es so hilfreich, einen Körper zu haben. Denn der lebt immer in der Gegenwart, den gibt es nur im Hier und Jetzt. Bringen wir in der Meditation Geist und Körper zusammen indem wir beispielsweise unseren Atem beobachten, gibt es keine Zeit mehr. Sie verschwindet einfach, ist völlig unbedeutend. Dann erkennen wir, dass es keine Vergangenheit gibt und erst recht keine Zukunft. Es gibt nur die immerwährende Gegenwart. Die Zeit verschwindet, weil es sie nicht gibt.

Der Mensch

Die unmäßige Liebe zum Körper, lässt uns die kleinste Gefahr fürchten.

Wer hasste nicht diesen Körper, der so unheimlich ist wie ein Feind,

sowie dieses Ich, das in dem Wunsch, sich gegen Krankheit, Hunger und Durst zu schützen,

Vögel, Fische und Vierbeiner tötet.

Und sich als Feind von allem Lebenden erweist,

Das in dem Verlangen nach Gewinn und Ehre so weit geht,

Selbst Vater und Mutter zu morden.

 

Beitragsbild von rigpawiki.org

Mehr zu Shantideva: https://de.wikipedia.org/wiki/Shantideva

Norbert Scheuer – Die Sprache der Vögel

Der Autor erzählt die Geschichte eines Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan, Paul Arimond. Er ist dort als Sanitäter stationiert. Anders als andere Soldaten hat er großes Interesse an Dichtung und Wahrheit. Goethes Autobiographie liest er  in der Lagerbibliothek. Seine große Leidenschaft ist aber die Vogelkunde, er versucht alles, um seine gefiederten Freunde zu beobachten. Auf den Spuren des Großvaters Arimonds, der vor Zeiten die Region besuchte, erzählt Norbert Scheuer eine Geschichte vom Leben.

Auszug:

Seite 57: „Die Girlitze hüpfen jetzt aufgeregt auf den niederen Büschen im felsigen Gelände. Einige der Männchen balzen, tragen enthusiastisch ihre Lieder vor, lassen dabei ihre Flügel hängen und richten das Kopfgefieder auf, wobei ihre rote Stirn besonders auffällt. Ich glaube nicht, dass Vögel allein zum Zweck der Fortpflanzung singen. Irgendetwas existiert im Leben, das mehr ist als wir selbst und für das es keine Sprache gibt. Vielleicht liegt darin der Grund, dass Vögel singen.“

Wobei wir beim Thema sind: Warum sind wir eigentlich hier und tun all diese Dinge? Auch für uns gilt, dass es etwas im Leben gibt, das mehr ist als wir und für das es keine Sprache gibt.

Sebastian Hammelehle vom KulturSPIEGEL zum Autor: „einer der klügsten und feinsinnigsten Erzähler, die dieses Land derzeit hat.“

Beitragsfoto: leselink.de